Pflege braucht einen Ruck

Leer/Warsingsfehn. Der Stundensatz für die Inspektion eines Autos ist höher als der Stundensatz in der Altenpflege. Vor diesem Hintergrund waren sich die Teilnehmer einer Diskussionsveranstaltung über Altenpflege einig: Die Pflege muss besser bezahlt werden, die Krankenkassen müssen höhere Sätze bereitstellen, der drohende Fachkräftemangel lässt sich mit besserer Bezahlung und Ausbildung der Mitarbeiter mildern oder gar verhindern.

„In Würde alt werden – geht das?“ Zu diesem Thema hatten die SPD-Landtagsabgeordnete Johanne Modder und Landtagskandidat Sascha Laaken in den Festsaal Oltmanns in Warsingsfehn zu einem Diskussionsforum eingeladen. Mehr als 60 Männer und Frauen vornehmlich aus Pflegeberufen waren gekommen.

Sie hörten einen Vortrag von Dr. Harald Groth, dem Vorsitzenden des Awo-Bezirks Weser-Ems. Mit ihm diskutierten anschließend Dirk Wennemann, Geschäftsführer des Altenwohn- und Pflegezentrums Eben-Eser, die geronto-psychiatrische Fachkraft Lone Pöhlmann, die sich speziell um demente und depressive Patienten kümmert, die Krankenschwester Sabine Schmidt, die im ambulanten Pflegedienst arbeitet, und Johanne Modder, die sich politisch des Themas Pflege annimmt und mehrjährige persönliche Erfahrungen mit der Pflege ihrer Mutter hat. Sascha Laaken moderierte.

Ergebnisse der Diskussion, an der sich Gäste lebhaft beteiligten: Altenpflege braucht mehr Qualität und Wertschätzung. Nötig ist ein allgemein-verbindlicher Tarifvertrag in der Pflege, die notwendige tägliche Dokumentation der Arbeit muss entbürokratisiert werden, Missbrauch von Leiharbeit in der Pflege gehört drastisch bekämpft, die Ausbildung muss verbessert werden, Auszubildende brauchen Schulgeldfreiheit, der Pflege-Tagessatz für Heime in Niedersachsen muss von 80 Euro mindestens auf den in Nordrhein-Westfalen üblichen Satz von 110 Euro angehoben werden.

Die Landtagsabgeordnete Johanne Modder wundert sich, dass die Gesellschaft den Zustand der Pflege klaglos hinnimmt: „Wir brauchen einen Ruck, bevor es zu spät ist.“