Bürger über Organspende aufklären

Hanne Modder im Landtag. Bild: SPD-Landtagsfraktion

Die SPD-Landtagsfraktionsvorsitzende Johanne Modder hat sich bei einer aktuellen Stunde der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag am 25. Januar mit dem Thema Organspende beschäftigt. Sie hat sich dafür ausgesprochen, dass die Bürgerinnen und Bürger besser über die Organspende informiert werden. Sie selber bekannte: „Ich habe mich entschieden und habe mir einen Organspenderausweis zugelegt.“

Die Rede von Johanne Modder:
„Das Thema der heutigen aktuellen Stunde der SPD-Landtagsfraktion ist ein sperriges, ja für die meisten Menschen sogar ein unangenehmes.

Wir wollen heute hier in diesem hohen Haus über die Organspende sprechen und die Auseinandersetzung mit diesem Thema zieht fast zwangsläufig die Beschäftigung mit dem Sterben und mit dem Tod nach sich.

Dennoch ist es ein Thema, das wir als Politikerinnen und Politiker nicht totschweigen dürfen.
Ich sage es an dieser Stelle ganz offen: Die Organspende ist in den letzten Jahren etwas in Verruf geraten:

Skandale wie die Vorgänge in Göttingen und vielen anderen Klinikstandorten aus dem Jahre 2012 als bekannt wurde, dass Mediziner die Daten ihrer Patientinnen und Patienten manipuliert hatten, um schneller an Spenderorgane zu kommen – haben das Vertrauen der Bürgerinnen Bürger nachhaltig erschüttert.

Das lässt sich leider auch mit Zahlen belegen: Die Spendenbereitschaft ist seit Jahren rückläufig und hat im Jahr 2016 mit nur 797 Spenderinnen und Spendern im gesamten Bundesgebiet einen neuen Tiefststand erreicht.
Dieser Zahl steht ein Bedarf an Spenderorganen von 10.000 Patienten gegenüber.

Die allermeisten von Ihnen warten auf eine Niere, die auch lebend gespendet werden kann.

Unser Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat dies seinerzeit für seine Frau getan und dafür große Anerkennung erhalten – völlig zu Recht, wie ich persönlich finde.

Die Entwicklung der sinkenden Spendenbereitschaft muss bedenklich stimmen.
Organspenden retten leben! Im Umkehrschluss bedeutet das: Viele
Patienten, die kein Spenderorgan erhalten, sterben an den Folgen ihrer Erkrankungen.

Ich sage das ganz nüchtern, weil wir diese Debatte nicht überfrachten dürfen, wenn wir wollen, dass die Bereitschaft zur Organspende in Zukunft wieder zunimmt.

Man muss es ganz deutlich sagen: Niemand kann ein Interesse daran haben, moralischen Druck auf die Bürgerinnen und Bürger auszuüben.

Die Frage, ob ein Mensch seine Organe vor oder nach seinem Tod für eine Transplantation zur Verfügung stellt, ist eine zutiefst persönliche.

Wir dürfen nicht den Fehler machen, jene, die sich gegen einen solchen Schritt entscheiden, verurteilen oder belehren zu wollen.

Was wir jedoch tun können und was wir auch tun müssen, meine Damen und Herren, ist dieses Thema in die Gesellschaft zu tragen, mit all seinen unangenehmen Konsequenzen.

Wir als Politikerinnen und Politiker müssen dafür sorgen, dass die Menschen über die Möglichkeit zur Organspende Bescheid wissen.

Wir müssen dafür sorgen, dass diejenigen, die sich vorstellen können, ihre Organe anderen Menschen zu spenden – Wir müssen dafür sorgen, dass diese Menschen dann auch wissen, wie sie das anstellen.

Und wir müssen sicherstellen, dass sich die Vorgänge um manipulierte Patientendaten niemals wiederholen können, damit die Bürgerinnen und Bürger wieder Vertrauen in das Organspendesystem gewinnen.

Die Einrichtung eines zentralen Transplantationsregisters für die gesamte Bundesrepublik im Jahr 2016 war ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.

Mit einem neuen Ausführungsgesetz zum Transplantationsgesetz des Bundes werden wir auch in Niedersachsen einen Beitrag zu diesem Ziel leisten.

Ich kann an dieser Stelle nur dafür werben:
Informieren Sie sich über die Möglichkeiten zur Organspende!
Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen, auch wenn es eben kein angenehmes Thema ist!

Denn hier liegt ja die Krux:
Im Falle eines plötzlichen Ablebens sind es die Angehörigen, die darüber entscheiden müssen, ob Organe entnommen und gespendet werden dürfen.

Das ist eine Entscheidung, um die niemand zu beneiden ist und es ist absolut nachvollziehbar, dass viele Angehörige eher dazu tendieren, auf Organspenden zu verzichten, wenn keine gegenteiligen Absprachen getroffen wurden.

Besuchen Sie deshalb die Webseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Sehen sie sich an, welche Möglichkeiten es gibt und unter welchen Bedingungen Organspenden überhaupt möglich sind.

Und wenn Sie sich für die Möglichkeit zur Organspende entscheiden, dann besorgen Sie sich bitte ein solches Dokument. Mit so einem Organspendeausweis sind Sie es, die aktiv entscheiden. Sie allein legen fest, wie mit Ihren Organen nach ihrem Tod umgegangen werden soll.

Es bleibt ein unangenehmes Thema, ohne Frage. Wer beschäftigt sich schon gerne mit der Tatsache, dass das eigene Leben endlich ist?

Aber wenn Sie sich mit diesem Thema einmal intensiv auseinandersetzen, ersparen Sie ihren Angehörigen, für Sie entscheiden zu müssen.

Ich für meinen Teil habe meine Entscheidung gefällt und einen solchen Ausweis ausgefüllt.

Ich hoffe, dass wir mit der heutigen Debatte hier im Niedersächsischen Landtag einen kleinen Beitrag zu einer gesamtgesellschaftlichen Debatte über die Organspende leisten können und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit!“