„Pflegekammer hat eine zweite Chance verdient“

Weener – Die Pflegekammer in Niedersachsen hat einen denkbar schlechten Start gehabt. „Aber sie hat eine zweite Chance verdient.“, dafür warb eindringlich die SPD-Landtagsabgeordnete Hanne Modder. Vorangegangen war eine zweistündige Diskussion, in der Leitung und Personal der Diakoniestation ihre Kritik an der Pflegekammer deutlich äußerten – die Verwirrungen der vergangenen Tage über die Pflegekammer waren der Anlass dafür gewesen, dass die Vertreter der Diakoniestation Hanne Modder um ein Gespräch baten.
Vorsitzender Peter Freesemann und Geschäftsführerin Hanna Koenen bemängelten unter anderem die mangelnden Informationen, die unglücklichen Gebührenbescheide kurz vor Weihnachten und das schwache Erscheinungsbild der Pflegekammer. „Das Vertrauen ist nicht da. Wir fühlen uns schlecht informiert“, sagten übereinstimmend die Vorstandsmitglieder Gerhard Daalmeyer und Karlheinz Hinderks sowie Kirsten Seekamp-Troff, Vorsitzende der Mitarbeitervertretung
Modder räumte ein, dass beim Start der Pflegekammer Fehler gemacht worden sind. „Man hat eigentlich alles falsch gemacht, was man nur falsch machen konnte“, sagte die Abgeordnete. Auch die Politik träge eine gewisse Mitverantwortung, weil sie die Pflegekammer beim Aufbau nicht ausreichend finanziert habe. Modder sieht aber keine Alternative zur Pflegekammer: „Unser Ziel ist es, den Pflegeberuf zu stärken. Dafür brauchen wir eine Vereinigung, die die Pflegekräfte vertritt“, so Modder. Eine Kammer sei dafür nach Ansicht der niedersächsischen Landesregierung das richtige Instrument.
Allerdings müsse diese Kammer dann auch im Sinne der Pflegekräfte arbeiten. Das sei zuletzt nicht der Fall gewesen. Die Fehler beispielsweise bei der Gebührenerhebung habe die Kammerleitung korrigiert. Jetzt müsse die Kammer zeigen, dass sie eine laute Stimme für die Pflegekräfte ist.
Diakonie-Mitarbeiterinnen wie Anja Smid (stellvertretende Pflegedienstleiterin) und Wilma Nee-Winterboer (Qualitätsbeauftragte) kündigten an, dass sie sich an der Arbeit der Kammer auch beteiligen würden, wenn sie den Mehrwert durch die Kammerarbeit erkennen könnten. Modder warb bei den Pflegekräften dafür, der Kammer die Chance zu geben, neues Vertrauen zu rechtfertigen. Für Mitte 2020 sei eine Bestandsaufnahme („Evaluation“) geplant. Dann werde man sehen, wo die Pflegekammer steht.
Die niedersächsische Pflegekammer wurde am 1. Januar 2017 gegründet und vertritt die Pflegekräfte in Niedersachsen. Ausgebildete Fachkräfte der Alten- und Krankenpflege sind Pflichtmitglieder. Die Kammer soll unter anderem die Belange der Pflegeberufe gegenüber der Politik vertreten.  Im Dezember 2018 hat die Kammer den „Bericht zur Lage der Pflegefachberufe in Niedersachsen“ vorgelegt und damit erstmals nachprüfbare Zahlen über die Lage der Pflegeberufe geliefert.